Überarbeitung

Ist das noch mein Text und, wenn ja, warum?

Wie du mit Zweifel und Sorgen im Lektorat umgehen kannst

Eine der häufigsten Fragen, die mir gestellt werden, lautet: Wenn du in meinem Text so viel anmerkst, wie viel bleibt eigentlich noch von meinen Ideen übrig? Oder anders gesagt: Ist das nach Lektorat und Überarbeitung überhaupt noch mein Text?

In diesem Artikel erfährst du, wann die Frage auftauchen kann, was dahinter stecken kann und wie du mit ihr produktiv umgehst.

 

Inhaltsverzeichnis

  1. Was im Gehirn passiert, wenn die Frage auftaucht
  2. Wann die Frage, ob das noch dein Text ist, auftauchen kann
  3. So kannst du mit Selbstzweifeln im Lektorat umgehen
  4. Die Verantwortung für den lektorierten Text bleibt bei dir
  5. Viele Gründe können den Erfolg eines Lektorats behindern
  6. Ein guter Text braucht Zeit – gib sie ihm!

1. Was im Gehirn passiert, wenn die Frage auftaucht

Wir alle können aus der Schulzeit oder der Arbeit von schlechten Rückmeldungen auf Texte berichten, die wir mal mehr, mal weniger verarbeitet haben. Die Lehrpersonen im Fach Deutsch etwa mussten dich wegen ihres Amtes benoten, oft ohne in ihrer Ausbildung gelernt zu haben, wie sie konstruktiv zur Überarbeitung deines Textes anregen. Sie hatten vielleicht ein Schema im Kopf, das ihre Schüler:innen erfüllen sollen. Das ließ links und rechts davon wenig Spielraum für Kreativität. Diese Erfahrungen können sich in der Arbeitswelt fortsetzen. Kolleg:innen haben eine Vorstellung von einem Text und die sollst du erfüllen. Sie machen sich nicht klar, dass es unterschiedliche Herangehensweisen gibt und Kreativität ein Ergebnis liefern kann, das sie nicht erwartet haben.

Das Gehirn schaltet in die Schulzeit zurück und Selbstzweifel können auftauchen

Wenn viel in deinem Text angestrichen ist, dazu noch in Rot, dann kann es sein, dass dein Gehirn automatisch dahin zurückschaltet und denkt, dass dein Text mangelhaft ist. Es verfällt wieder in den Urteilsmodus aus der Schulzeit und du hältst dich für eine:n schlechte:n Autor:in. Quälst dich mit Selbstzweifeln. Diese könnten also ihren Ursprung in der Schulzeit haben.

Nur die wenigsten von uns haben gelernt, produktiv an Texten zu arbeiten und ein Lektorat als Unterstützung zu sehen und nicht als Kritik. Die Folgen:

  • Distanz zur Lektoratsperson: Du gibst ihr die „Schuld“, dass du den Spaß am Schreiben verlierst. Dazu möchte ich dir sagen: Es gibt keine Schuld, es gibt nur Verantwortung. Ihr beide übernehmt sie für jeweils euren Teil der Arbeit, sie für das Lektorat, du für die Überarbeitung bzw. den Endzustand deines Textes.
  • Sträuben, innerer Widerstand gegen Überarbeitung: Du wiegst Aufwand gegen Nutzen ab und entscheidest, den Text so zu lassen. Irgendwie, sagst du dir, wirst du wie bisher auch damit durchkommen. Und damit hast du recht, der Text wird mehr oder weniger bestehen, seine Leser:innen finden, die Note wird noch im Rahmen sein oder die Resonanz verhalten bleiben. Die Frage ist jedoch, ob das Endergebnis dich befriedigt.
  • Vielleicht empfindest du auch Trotz: Möglicherweise fühlst du dich völlig missverstanden und der Satz ploppt auf: Das habe ich nicht nötig, mir das sagen zu lassen. Eine erste verständliche Reaktion. Dann schlafe erst darüber, freunde dich mit den Anmerkungen an, soweit du kannst, und die besonders schmerzhaften ignorierst du oder bespricht sie mit deiner Lektoratsperson. Das ist allemal besser, als dass der Text in der Schublade landet oder du den Kontakt zu deiner Lektorin abbrichst.

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2. Wann die Frage, ob das noch dein Text ist, auftauchen kann

Diese Frage beschäftigt alle, meine Kund:innen, potentielle Interessent:innen und sogar Menschen aus meinem Umfeld, sprich Freundinnen, Bekannte und Familie , die gar nicht selbst schreiben. Ich halte sie für angemessen und normal, vor allem, bei wenig Erfahrung mit Feedback auf  Texte. Du stellst sie dir dann auch, weil du herausfinden willst, ob du dem, was da kommt, überhaupt gewachsen bist.

Deshalb kann die Frage, ob es noch dein Text ist, vor, während und nach dem Lektorat auftauchen.

  • Vor dem Lektorat fragst du dich womöglich, wie gut oder schlecht oder vielleicht auch nur mittelmäßig die Lektoratsperson deinen Roman, deine Erzählung, dein Gedicht oder deine wissenschaftliche Arbeit findet. Das macht dich unsicher und kann verhindern, dass du überhaupt professionelle Unterstützung suchst.
    Mach dir klar: Urteile spielen für die Bearbeitung keine Rolle, sind sogar kontraproduktiv. Weil sie den Blick auf den Text verstellen. Ein Lektorat orientiert sich immer an der Sache, sprich der Textsorte, dem aktuellen Zustand des Textes und dem Potenzial, die eine Geschichte, ein Thema hat. Statt zu bewerten, schauen ich und meine Kolleg:innen, was der Text braucht, damit er das aussagt, was du intendiert hast.
  • Während des Lektorats: Wenn du schon einen Teil des Textes aus dem Lektorat zurückbekommen hast, kann die Frage nach der Authentizität ebenfalls auftauchen. Du schaust dir die Kommentare und Änderungsvorschläge an und stellst vielleicht fest, dass du über einige der Aspekte noch gar nicht nachgedacht hast. Dein Mut sinkt, weil du merkst, wie viel Arbeit vor dir liegt. Oder die Lektoratsperson merkt immer wieder dasselbe an, etwa, dass du treffendere Verben verwenden sollst oder überlegen, was deine Figuren antreibt. Auch das kann aus demselben Grund frustrierend sein.
    Mach dir klar: Ein Lektorat ist mehr als das Ändern von Wörtern oder der Satzstellung. Lektorierende spüren Lücken, Brüche und Widersprüche auf. Stellen Fragen, damit du diese füllst bzw. auflöst. Sie geben dir Hilfestellung und was du daraus machst, ist deine Sache.Ein Lektorat ist mehr als das Ändern von Wörtern oder der Satzstellung.
  • Nach dem Lektorat: Du erhältst deinen Text zurück, gespannt und freudig. Öffnest die Datei und siehst am Rand jede Menge Kommentare und im Text ganz viel rote Schrift und Streichungen. Dein Herz rutscht mindestens in die Kniekehle und du willst am liebsten gar nicht weiterlesen.
    Mache dir klar: Das sind alles Anregungen zur Verbesserung deines Textes, die nichts mit deiner Kompetenz als Schreibende:m zu tun haben. Sie weisen dich auf die Aspekte hin, denen du dich noch ausführlicher widmen solltest. Deshalb schau sie dir in aller Ruhe an und entscheide anschließend, wie du mit ihnen verfährst. Wenn du ohne negative Emotionen an die Überarbeitung gehst, wirst du feststellen, was davon deinen Text, dein Schreiben voranbringt und was du links liegen lässt.

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3. So kannst du mit den Selbstzweifeln im Lektorat umgehen

Mach dir klar, dass ein Lektorat dich nicht benotet. Sein Sinn liegt darin, dich dazu anzuregen, dazuzulernen und über deinen Text nachzudenken. Zumindest, wenn die Lektoratsperson gut ausgebildet ist und ihre Kompetenz und Erfahrung in die Arbeit einfließen. Deshalb streicht sie alles an, was ihr auffällt. Und überlässt dir die Freiheit, zu entscheiden, wohin sich dein Text entwickelt.

Ein Weg, damit umzugehen, ist also, der Konditionierung ein Schnippchen zu schlagen. Etwa dadurch, indem wir dem Gehirn signalisieren, dass wir uns über die Markierungen und Anmerkungen freuen. Weil sich jemand intensiv mit dem Text, der Geschichte auseinandersetzt und wir eine Fülle von Anregungen bekommen, die uns helfen, ihn noch dichter und aussagekräftiger zu machen. Weil wir dadurch sowohl unsere Texte verbessern als auch kompetentere Schreibende werden, die Erfahrungen sammeln und immer versierter darin werden, das Gelernte anzuwenden.

Lektor:innen haben eine doppelte Expertise, Schreiben selbst und sind gleichzeitig Expert:innen für die Überarbeitung

Möglicherweise hilft es dir, dir klarzumachen, dass dein:e Auftragnehmer:in meistens beide Seiten kennt: Sie hat oder hatte einen schreibenden Beruf und hat dadurch und zusätzlich in Fortbildungen gelernt, Texte zu überarbeiten. Was sie dir mitgibt, geschieht aus dieser doppelten Expertise. Auch sie hat erlebt, an einem Text zu zweifeln. Sprich sie darauf an, wie sie damit umgeht. Meine Vermutung: Sie oder er hat beim Anblick der Anmerkungen kurz geschluckt, die Anmerkungen analysiert und sich dann an die Überarbeitung gesetzt. Weil sie weiß, dass Autor:innen beim eigenen Text automatisch schreibblind werden, sprich den nötigen Überarbeitungsbedarf nicht mehr selbst identifizieren.
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4. Warum dein Text immer dein Text bleibt

In einem Lektorat geht es darum, die bestmögliche Version deines Textes anzustoßen. Weil ein:e Lektor:in nicht weiß, wie du dir die Geschichte oder wissenschaftliche Bearbeitung des Themas gedacht hast, merkt sie/er alles an, was ihr/ihm auffällt. Denn Anmerkungen und Kommentare sind lediglich Vorschläge, dadurch bleibt dein Text immer dein Text.

Die gute Nachricht: Die Verantwortung für den überarbeiteten Text bleibt bei dir, du entscheidest, was für dich stimmt

Du entscheidest, was für dich stimmt, und es letztendlich in deinem Sinn überarbeiten. Die gute Nachricht: Deshalb bleibt die Verantwortung für deinen Text immer bei dir, die nimmt sie dir nicht ab. Zudem sind Durststrecken bei jeder Form von kreativer Arbeit normal und lassen sich nicht verhindern. Mein Lösungsvorschlag lautet, produktiv mit ihnen umzugehen, um sich nicht entmutigen zu lassen.

Sprich unbedingt offen an, was sich im Lektorat am Weiterarbeiten hindert. Dein:e Auftragnehmend:e wird mit dir gemeinsam eine Strategie entwickeln, wie du mit dieser Frage und deinen Erfahrungen umgehst. Ist sie auch Schreibcoach:in, kennt sie garantiert gute Tipps und Schreibmethoden, Hürden der verschiedensten Art zu überwinden.
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5. Viele Gründe können den Erfolg eines Lektorat behindern

Die Unlust oder gar ein Widerstand gegen die Überarbeitung kann noch andere Gründe haben: Vielleicht hast du den Auftrag mit deiner Lektoratsperson nicht ausführlich abgesprochen. Du wolltest lediglich Anregungen zur Überarbeitung von Sprache und Stil, sie hat aber zusätzlich ein Inhaltslektorat geliefert. Und das nicht, um dich zu ärgern, sondern weil zu einem Stil-Lektorat auch gehört, auf Lücken, Brüche oder Widersprüche hinzuweisen. Denn es verstößt gegen die Berufsehre, Logikfehler außen vor zu lassen.

Vielleicht verwirren dich die vielen Anmerkungen. Dann sprich sie darauf an und lass dir erklären, was der/die Lektorierende damit meint bzw. auf welchen Aspekt deines Textes sie deine Aufmerksamkeit lenken will.

Oder du hast dein Ziel revidiert. Bei der Lektoratsperson ist angekommen, dass du den Text zur Veröffentlichungsreife bringen willst. Du aber hast mittlerweile gemerkt, dass du nur ein Büchlein als Weihnachtsgeschenk für Familie und Freunde daraus machen willst, weil dir der Aufwand zu hoch ist. Auch das solltest du besprechen, damit eure Ziele und der Anspruch an den Text nicht auseinanderdriften.

Vielleicht hat sich die Reihenfolge geändert, du ziehst einen anderen Text vor und dein aktuelles Projekt wandert vorerst in die Schublade. Das ist dein gutes Recht, aber bitte sprich es an: Die Lektoratsperson hat dich in ihrem Terminkalender eingeplant und für sie fällt ein Auftrag weg. Oder anders gesagt: Sie muss sich um die Akquise eines neuen kümmern.

Oft braucht es eine Weile, das Problem zu erkennen, das hinter deiner Reaktion auf das Lektorat liegt

Manchmal kommt es auch vor, dass eine Verlagsbewerbung verschoben wird, weil der/die Autor:in verstanden hat, dass noch mehr Arbeit nötig ist als angenommen.

Oft braucht es auch eine Weile, das dahinterliegende Problem zu erkennen. Dann gibt dir deine Lektoratsperson eventuell schon Tipps, die du gar nicht umsetzen kannst. Sie will etwa wissen, was deine Figuren antreibt. Weil du dir darüber aber bisher keine Gedanken gemacht hast, stellst du das Problem hintenan. Dann kommen diese Anmerkungen immer wieder und du fragst dich, was du falsch machst. Egal welches Problem vorliegt: Lass dich niemals entmutigen, sondern nimm es als Herausforderung an, an der Stelle weiterzukommen.

Manchmal tut es trotz aller Bemühungen immer noch sehr weh, deinen Text mit Anmerkungen versehen zurückzubekommen. Dann ist vielleicht ein Wechsel der Lektoratsperson die beste Lösung, bevor du gar nicht mehr daran arbeiten magst. Suche dir in Absprache jemanden, der/die weniger tief in deine Geschichte einsteigt. Das ist billiger und beugt andauerndem Frust vor.

Keines von den Beispielen in Punkt 5 ist ein Fehler oder gar Versagen der Beteiligten, solange du offen kommunizierst. Und ich wünsche dir eine Lektorin, einen Lektor, die bzw. der dies ebenfalls gut beherrscht und mit dir eine Lösung sucht.
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6. Ein guter Text braucht Zeit – gib sie ihm!

Aus eigener Schreiberfahrung weiß ich: Ein guter Text braucht immer Zeit. Gib sie ihm und bleib dran, durchdenke die Anmerkungen und setze diejenigen um, die dir einleuchten. Frage bei den anderen nach. Dann wird deine Geschichte, deine Arbeit reifen und ein Niveau erreichen, mit dem du nicht gerechnet hast. Aus deiner eigenen Arbeit heraus.

Jeder hat Durststrecken beim Schreiben, ob Profi oder Anfänger:in. Die sind unvermeidlich

Eine Kundin gab mir neulich folgendes Feedback: „Ich merke immer wieder, dass das Wort, das du vorschlägst, nicht meines ist. Aber es hilft mir, darüber nachzudenken, welche Formulierung zu mir gehört, was meine Sprache ist“, sagte sie. Auch sie macht die Erfahrung, dass es mehrere Überarbeitungsrunden braucht, bis ihre Geschichten das ausdrücken, was sie sagen will.

Durststrecken sind unvermeidlich und jeder hat sie, ob mit oder ohne Lektorat. Ein kleiner Trick, der mir hilft, damit umzugehen: Ich stelle mir beim Überarbeiten immer wieder das Glücksgefühl vor, das aufkommt, wenn der Text endlich fertig ist. Daran merke ich, wie sehr ich fürs Schreiben brenne, was mich wiederum motiviert, die viele Arbeit auf mich zu nehmen. Und diesen Moment wünsche ich dir auch!
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Wer dir hier schreibt:
Hallo, ich bin Sabine Staub-Kollera, Lektorin und Coach für Schreibende, die den Weg zum stimmigen Text lieber mit einem Menschen als einer KI gehen.

Dir hat dieser Artikel geholfen oder du hast Anmerkungen dazu? Dann lass‘ es mich über das Kontaktformular wissen!

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Was Rechtschreibkorrektur, KI und Co. beim Korrekturlesen leisten – und was nicht

Foto: IStock/ AndreyPopow

Jeder arbeitet heutzutage beim Korrekturlesen selbstverständlich mit Hilfsprogrammen, die verschiedene Formen künstlicher Intelligenz nutzen. Vielleicht fragst auch du dich, wie weit du damit kommst. Lies hier, wie weit du mit der Unterstützung von Autokorrektur, Rechtschreibprüfung, ChatGPT und Co. kommst und welche Fehler aus Sicht der Lektorin häufig übersehen werden.

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1. Das kann KI im Textprogramm

Rechtschreibkenntnisse gelten immer noch als Zeichen für Bildung, bei vielen Textsorten wie wissenschaftliche Arbeit, journalistischer Artikel, Buchmanuskript oder Text für die Homepage dienen sie quasi als vertrauensbildende Maßnahme und sind deshalb unerlässlich. Doch oft drängt die Zeit, der Abgabetermin naht und es fordert viel Spezialwissen, um eine fehlerlose Arbeit abzugeben.

Dankenswerterweise gibt es heute verschiedene Hilfen fürs Korrekturlesen, den letzten Schritt im Schreibprozess. Deshalb überlassen immer mehr Menschen das Korrigieren ihrer Texte einer künstlichen Intelligenz (KI). Wir haben uns angewöhnt, selbstverständlich mit den Programmen zu arbeiten, und verlassen uns auf sie. Meistens kann man das auch unbesehen.

Zu den bekanntesten Einsatzmöglichkeiten gehört die Autokorrektur. Sie erkennt, sofern du sie aktiviert hast, wenn du beim Schreiben Buchstaben verstellst, Beispiel: ewnn statt wenn. Solche Fehler korrigiert sie dann automatisch. Sie weiß zudem, dass im Deutschen nach einem Punkt das erste Wort großgeschrieben wird, und ändert sofort, wenn sie an der Stelle ein Kleingeschriebenes findet.

Die Rechtschreibprüfung wiederum zeigt dir falsch geschriebene Wörter an. Sie übernimmt die Schreibweise aus Lexika wie dem Rechtschreib-Duden und bietet dir verschiedene Korrekturmöglichkeiten an. Durch Anklicken entscheidest du, welche für den Text übernommen werden soll.

Chat-GPT und verwandte KI-Programme arbeiten nach einem ähnlichen Prinzip. Sie haben sich ihr Wissen anhand von großen Datenmengen erworben, sprich: aus vielen verschiedenen Texten, von denen das Rechtschreiblexikon nur einer ist. Der Unterschied: Du gibst deinen unkorrigierten Text ein und erhältst ihn korrigiert zurück. Im ersten Moment sind das praktische Funktionen. Wegen der Stolperfallen von deutscher Rechtschreibung und Grammatik halte ich es trotzdem für unumgänglich, das gelieferte Produkt danach zu überprüfen, ob tatsächlich alle Fehler gefunden wurden bzw. – was oft passiert – keine neuen fabriziert.

Auf welche häufigen Fehler du ein Auge haben musst, erkläre ich dir in den nächsten Abschnitten.
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2. Probleme mit Sinn oder Grammatik

Das führt uns zu den Grenzen der Programme: Ihre Nutzung funktioniert so lange gut, wie es in deinem Text keine Wörter mit unterschiedlichen Schreibweisen gibt oder solche, die zwar ähnlich aussehen bzw. identisch geschrieben werden, sich leider vom Sinn her unterscheiden.

Besonders häufig fällt mir das bei den Anredeformen auf. KI kann aus dem Satzbau nicht unterscheiden, ob es sich um ein Personalpronomen handelt, d. h. sie, ihr oder ihnen, das kleingeschrieben wird. Oder um eine der Anreden Sie, Ihr oder Ihnen, die man großschreibt. Das führt dazu, dass die Lesenden sich angesprochen fühlen, obwohl sie gar nicht gemeint sind.

Beispiel: Die Band spielte Ihre Songs mit Begeisterung.
Frage: Woher kennt die Band meine Songs und warum spielt sie nicht ihre eigenen ;-)?

Weitere Beispiele, gefunden auf Wikipedia: Statt dröge, einem anderen Ausdruck für langweilig, schlägt das Programm die Droge vor. Die Metalllegierung Zinn wertet es ebenfalls als Schreibfehler; laut Einschätzung des Programms gehört an die Stelle das Wort Sinn. Das passiert deshalb, weil es aus der Häufigkeit der Nutzung dieser Wörter in Sätzen Schlussfolgerungen zieht. Und sich dabei leider gelegentlich irrt. (So funktionieren auch die Formulierungsvorschläge auf Smartphones.)

Eine Regel im Deutschen, die Korrekturprogramme grundsätzlich nicht kennen: Nach einem Doppelpunkt wird das erste Wort immer groß geschrieben, sofern ein vollständiger Satz folgt. Weil solche differenzierte Vorschriften nicht zum Training gehören, kann die KI nicht entscheiden, wann ein Satz alle Teile enthält, um als vollständig zu gelten. Dafür müssen zwingend Subjekt, Prädikat und eine Ergänzung, etwa in Form eines Objekts oder eines Adverb, vorhanden sein. Zwei Beispiele:
1. ein vollständiger Kurzsatz: Das Programm kennt nichts. Deshalb wird nach dem Doppelpunkt großgeschrieben.
2. der gleiche vollständige Satz ergänzt durch die Erläuterung des Wortes nichts: Das Programm kennt nicht alle Feinheiten der deutschen Grammatik.

Diese Beispiele zeigen: Das Rechtschreibprogramm findet vieles, aber nicht alles. Verlässt du dich ausschließlich darauf, setzt du dich der Gefahr aus, einen fehlerhaften Text abzuliefern.

Mein Tipp: Die Rechtschreibprüfung ist eine gute Vorbereitung auf die Schlusskorrektur. Um völlig sicher zu gehen, beauftrage zusätzlich einen Menschen, der sich mit Rechtschreibung auskennt. Dann bekommst du wegen zu vieler Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler keine Abzüge bei der Note. Schau dir auch mein Angebot an https://jetzt-schreiben.de/lektorat-korrektorat/ und nimm Kontakt für ein unverbindliches Kennenlerngespräch auf, wenn du mit mir zusammenarbeiten möchtest https://jetzt-schreiben.de/kontakt/.

Fun-Fact: Ich habe meine Magisterarbeit vor fast 40 Jahren von meinem damaligen Freund Korrekturlesen lassen, leider ohne seine Legasthenie zu berücksichtigen. Das Ergebnis: 105 Fehler auf 108 Seiten, also beinahe auf jeder Seite einer. So viele hatte ich bis dahin noch nie in einem Text.

Das gab natürlich Minuspunkte für die Form und Abzüge bei der Note. Selbst schuld, deshalb habe ich die Verantwortung übernommen. Und daraus gelernt: Bevor ich jemanden mit dem Korrekturlesen beauftrage, prüfe ich genau, ob dieser Mensch auch über die nötigen Fähigkeiten fürs Korrigieren verfügt. Und je wichtiger der Text ist, desto lieber bezahle ich dafür.
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3. Die korrekte Verbform – Schwierigkeiten mit der Kongruenz

Weitere Schwierigkeiten zeigen sich bei der Entscheidung für die richtige Verbform. Im Deutschen gilt die Regel, dass die Formen von Prädikat und Subjekt übereinstimmen müssen, also dem Verb im Satz und dem Substantiv, auf das sich alles bezieht. Das nennt man Kongruenz.

Mir ist es passiert, dass das Rechtschreibprogramm den Satz »Warum hatte die Tote eine der Schubladen abgeschlossen?« bemängelt hat. Es schlug vor, die dritte Person Plural zu verwenden, also hatten, statt, wie ich geschrieben hatte, der dritten Person Singular. Doch der Satz ist korrekt, weil sich das Verb auf eine weibliche Tote bezieht und nicht auf mehrere Tote.

Mein Tipp: Dieses Problem kannst du manuell abstellen, wenn du an der betreffenden Stelle mit der rechten Maustaste das Kontextmenü aufrufst und den Befehl Nicht auf dieses Problem untersuchen anklickst. Sonst erscheint die Meldung bei jedem Öffnen des Textes wieder.

Die Entscheidung, welche Form die richtige ist, nimmt dir die KI nicht ab. Deshalb lies deinen Text nach Abschluss der Korrekturphase selbst noch einmal sorgfältig durch. Sonst riskierst du, dass Fehler stehenbleiben. Wenn du dir unsicher bist, frag jemanden, der sich damit auskennt, und schau dir auch gerne mein Angebot an: https://jetzt-schreiben.de/lektorat-korrektorat/.

 

4. Warum KI so schlecht zwischen dass und das unterscheiden kann

Für Menschen ist gar nicht so schwer zu erkennen, ob nach einem Komma das oder dass korrekt ist. Die Rechtschreibkorrektur von Word dagegen kann die Regeln nicht anwenden und meldet deshalb oft Fehler, obwohl die Schreibweise stimmt.

Für eine KI wie ChatGPT stellen diese beiden kleinen Wörter sogar eine richtige Herausforderung dar. Die Ursache: Die Programme werden mit großen Mengen an Texten gefüttert, damit sie die korrekte Schreibweise lernen. Naturgemäß sind diese nicht fehlerfrei. Anhand des Gelernten treffen sie später ihre Entscheidungen. Die Fehler werden also potenziert, solange sie niemand korrigiert. Mittlerweile kann der Algorithmus nicht mehr erkennen, was richtig und was falsch ist.

Mit der Zeit lernen KIs dadurch immer häufiger von Texten, die sie selbst korrigiert haben, seien diese richtig oder falsch. Je mehr dadurch Fehler produziert oder übersehen werden, desto seltener stimmt die Rechtschreibung.

Mein Tipp: Gerade bei der Unterscheidung von das und dass bist du auf der sicheren Seite, wenn du dir die Regeln aneignest. Diese erkläre ich dir im nächsten Abschnitt.

5. Kleine Rechtschreibschule zu das und dass

Regel 1: Bei das mit einem s handelt es sich um einen bestimmten Artikel. Nach einem Komma ersetzt dieser im Nebensatz das Subjekt aus dem Hauptsatz. Das gilt auch für die anderen beiden Artikel die und der. Bei dieser Satzkonstruktion nennt man den Nebensatz einen Relativsatz.

Merke: Immer, wenn sich für das nach dem Komma der bestimmte Artikel einsetzen lässt, brauchst du nur ein s.

Beispiel 1: »Sie verlangen Aufklärung darüber, wie das Mietobjekt genutzt wird, das wir angeblich im Jahr 2020 erworben haben.«
Erläuterung: In dem Satz bezieht sich das auf das Mietobjekt, es handelt sich um einen Relativsatz. Also ist ein s korrekt. (Fun-Fact: Word markierte diesen Satz aus einem Brief an das Finanzamt tatsächlich als falsch und schlug stattdessen dass vor.)

Regel 2: dass mit zwei s kann sich auf das Verb oder das Subjekt des Hauptsatzes beziehen. Es steht immer am Anfang eines Ergänzungssatzes.

Beispiel 2 Subjekt: Alle erkennen spätestens ab der siebten Klasse im Deutschunterricht, dass deutsche Grammatik nicht einfach ist.
Erläuterung: das würde nicht passen, weil sich dass auf das Verb erkennen bezieht und nicht auf das Subjekt Alle.

Beispiel 3 Verb: Ich versichere, dass ich diesen Artikel nach besten Wissen und Gewissen geschrieben habe.
Erläuterung: Die Konjunktion dass bezieht sich auf das Verb schreiben am Satzende. Es gibt kein Subjekt, zu dem sie gehört.

Merke zu Bsp. 2 und 3: Hier wird jeweils das Verb genauer erläutert, nicht das Subjekt ersetzt. Also sind zwei s korrekt.

Gerade, weil die Anwendung von das und dass grammatikalisch so einfach zu unterscheiden ist, lohnt es sich, die Regeln zu lernen. Wenn du Relativsätze erkennst, vermeidest du viele Fehler in deinem Text, die KI und Rechtschreibprüfung nicht finden.

Für alle, die dafür zu wenig Zeit haben, gibt es Profis wie mich, die ihrem Text den letzten Schliff geben https://jetzt-schreiben.de/lektorat-korrektorat/ .
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6. Unbekannte Wörter überfordern Programme 

Der deutsche Wortschatz ist so groß, dass selbst einem Rechtschreibprogramm, das mit dem Duden trainiert wurde, manches unbekannt ist.
Dazu ein Beispiel aus meinem Irland-Krimi:
»Reilly hat mich direkt an der Zapfsäule erwischt«, beichtete er.

Word markierte das Verb beichtete als falsch und schlug berichtete vor. Das Programm kannte das Wort beichten im Imperfekt nicht, also in seiner Vergangenheitsform. Das halte ich für einen Fehler, den man beim Gegenlesen leicht übersieht, weil die Worte sich sehr ähneln und nur durch ein r in der Mitte unterscheiden. In diesem Fall hat das Programm zum Glück vorher gefragt, ob ich das ändern möchte. Wollte ich natürlich nicht.

Mein Tipp: Dieses Problem besteht schon seit Jahren, fraglich, ob überhaupt und, wenn ja, wann der Hersteller es behebt. Deshalb nicht über Fehlermeldungen hinweg lesen, sondern korrigieren oder manuell abstellen, wie oben unter Punkt 3 beschrieben.

Fürs genaue Lesen und Spezialfälle der deutschen Grammatik stehe ich dir zur Verfügung. Schau hier nach meinem Angebot https://jetzt-schreiben.de/lektorat-korrektorat/ .
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7. Der richtige Zeitpunkt fürs professionelles Korrekturlesen

Die Hilfe einer KI ist angenehm und sinnvoll, solange man erkennt, wo ihre Grenzen liegen. Sie beherrscht die Basics und nimmt Schreibenden damit viel Arbeit ab, aber diese werden immer mehr verwässert durch fehlerhafte Texte. Deshalb setzte sie ein und sei dir der Risiken bewusst .

Mein Tipp: Alle beschriebenen Probleme nerven und halten beim Fertigstellen eines Textes auf. Nimm Korrekturlesen deshalb immer als Arbeitsschritt in die Zeitplanung mit auf und veranschlage dafür zehn Prozent der gesamten Arbeitszeit. Hast du etwa bei einer wissenschaftlichen Hausarbeit sechs Wochen für den gesamten Schreibprozess eingeplant, dann halte dreieinhalb Tage ausschließlich fürs Korrekturlesen und Korrigieren frei.

Oft aber fehlt die Zeit, nach Fertigstellung des Textes alles selbst in Ruhe durchzugehen. Deshalb frage rechtzeitig jemanden an zum Gegenlesen. Das kann jemand aus deinem Freundeskreis sein, ein Mensch, der Deutsch studiert hat, oder eine Person aus der Nachbarschaft, die sich immer über Schreibfehler in der Tageszeitung aufregt.

Auf Nummer sicher gehst du mit jemand Professionellem wie mir, die sich im Laufe ihrer Berufstätigkeit eine große Expertise in Sachen Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung erworben hat. Natürlich kostet das Geld und auf jeden Fall mehr, als die großen Portale ihren studentischen Hilfskräften bezahlen.

Doch es ist gut investiert, weil im Korrektorat nicht nur ein Rechtschreibprogramm über deinen Text läuft: Ich setze mich mit ihm Seite für Seite auseinander. Dabei denke ich mich auch in dein Thema ein und weise dich darauf hin, wenn ich gravierende Lücken, Brüche oder Widersprüche entdecke.

Direkt zu meinem Angebot fürs Korrekturlesen: https://jetzt-schreiben.de/lektorat-korrektorat/
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Wer dir hier schreibt: Hallo, ich bin Sabine Staub-Kollera, Lektorin und Coach für Schreibende, die den Weg zum stimmigen Text lieber mit einem Menschen als einer KI gehen.

Dir hat dieser Artikel geholfen oder du hast Anmerkungen dazu? Dann lass es mich über das Kontaktformular wissen!

Demnächst liest du hier, wie du ohne KI mit kreativen Methoden Inhalte generieren kannst. Und wie du deine Texte mit einem echten Menschen als Gegenüber durch Peer-Feedback überarbeitest statt einsam mit einer KI.

Fotos: IStock/AndreyPopow und privat

 

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