Liegt dein Text auch schon länger in der Schublade und du denkst sehnsüchtig an ihn, ob Fachartikel, Zeitschriftenbeitrag, Roman, Kurzgeschichte, Theaterstück oder Hörspiel? Und dann kommt endlich der Moment: Mit dem festen Vorsatz, die nächsten drei Monate regelmäßig daran zu arbeiten, nimmst du ihn heraus oder öffnest die Datei. Um das Ergebnis endlich zu veröffentlichen, zu verschenken oder daraus vorzulesen, zu Weihnachten, bei der Silvesterparty oder beim Skiurlaub. Doch oh Schreck: Dir gelingt der Einstieg nicht, du drehst dich im Kreis, fängst Sätze an, löschst das meiste wieder. Und fragst dich, wie du wieder ins Schreiben kommst. Keine Sorge: Dafür gibt es Strategien und in diesem Artikel verrate ich dir zwei, die sich bewährt haben.
Inhaltsverzeichnis
- Jedes Schreibprojekt verdient Aufmerksamkeit
- Den Rahmen fürs Schreiben setzen
- Der feste Ablauf macht den Schreiberfolg
- Zwei bewährte Tipps für den Wiedereinstieg ins Schreiben
- Die Gretchenfrage der Textmenge
1. Jedes Schreibprojekt verdient Aufmerksamkeit
Nicht immer lässt sich ein Text am Stück schreiben, vor allem, wenn er nicht im beruflichen Rahmen entsteht. Eine lange Pause ist ärgerlich, aber kein Grund zum Resignieren. Ich habe in beruflich fordernden Zeiten, den Jahren der Kindererziehung, während der Pflege und Betreuung meiner alten Eltern oder bei Krankheit oft sehnsüchtig an meinen Krimi gedacht, der geduldig wartete. Deshalb weiß ich aus eigener Erfahrung, dass kein Schreibprojekte verloren ist, nur aufgeschoben.
Genauso wenig musst du dich dafür rechtfertigen. Im Leben gibt es eben Pausen, manchmal aufgezwungene und manchmal ist es nur das Wetter, wie dieses Jahr, dem wir uns anpassen. Wer arbeitet oder zur Schule geht, will an Hitzetagen den Kopf nicht mehr anstrengen und ist froh, sich ausruhen zu dürfen. Und abends, wenn es kühler wird, hinaus an die frische Luft. Dann fühlt es sich sich wie Verschwendung an, am Schreibtisch zu sitzen.
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2. Den Rahmen fürs Schreiben setzen
Sich mit den äußeren Bedingungen zu beschäftigen, ist sinnvoll, weil sie dein Vorhaben unterstützen. Du brauchst diese Sicherheit, um wieder in dein Projekt hineinzukommen. Deshalb vorab dafür ein Plädoyer für einen Schreibrahmen, der zu dir passt.
Auch kurze Zeitfenster nutzen
Viele denken, sie hätten nicht genug Zeit, um überhaupt das Notizbuch herauszuholen oder den Laptop einzuschalten. Ich habe festgestellt, dass auch ein scheinbar kurzer Zeitraum schon weiter bringt. Deshalb hier mein erster Erfahrungswert: Jedes Fenster ab 45 Minuten lohnt sich, um substanziell mit einem längeren Text weiterzukommen.
Zweimal in der Woche ist machbar
Als nächstes muss die Schreibzeit in deinen Alltag passen. Spoiler: Sich vorzunehmen, jeden Tag zu schreiben, geht meistens schief. Weil es unrealistisch ist, sofort von Null auf 100 zu starten. Wie beim Sport, wenn wir uns vornehmen, jeden Tag laufen zu gehen. Zu oft kommt etwas dazwischen, die Bahn fällt aus und man kommt später nach Hause, die Kinder brauchen mehr Aufmerksamkeit als gedacht oder eine Freundin ruft an und will ihr Herz ausschütten.
Zweimal in der Woche dagegen lässt sich einplanen, zum Beispiel unter der Woche eine knappe Stunde und einmal am Wochenende eine längere Phase von zwei bis drei Stunden. Das bekommst du mit meinen Tipps hin.
Damit die Schreibzeiten wirklich geblockt sind, trägst du sie im Kalender ein. Wenn du sie genutzt hast, malst du als Belohnung ein schönes rotes Herz hinter den Termin oder wählst das entsprechende Emoji. Schau dir anschließend im Spiegel in die Augen, klopfe dir ausgiebig auf die Schulter und lobe dich in eigenen Worten, zum Beispiel so: „Super, das habe ich heute richtig gut gemacht, ich bin stolz auf mich!“
Wichtig: Sprich die Worte laut aus!
Auch wenn es dir möglicherweise albern vorkommen mag, dich laut zu loben: Es stärkt das Selbstbewusstsein. Dabei kommt es nicht darauf an, wie viel du geschafft hast. Gerade, wenn der Einstieg schwer fällt, ist allein die Tatsache, dass du geschrieben hast, ein großer Erfolg. Und den darfst du würdigen .
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3. Der feste Ablauf macht den Schreiberfolg
Feste Schreibzeiten allein sind noch kein Garant dafür, dass du die Zeit produktiv nutzt: Weil du trotzdem dasitzen und vor dich hin grübeln kannst, auf Social Media scrollen, dich mit Staubwischen ablenken, oder etwas abheften, was seit dem Frühjahr herumliegt. Und Schwupps, ist die Zeit, die eigentlich fürs Schreiben reserviert war, wieder vorbei.
Deshalb ist das A und O für effektives Schreiben – und das bestätigt auch die Schreibforschung -, die Schreibzeit nach einem festen Ablauf zu gestalten. Du gewinnst durchs Einüben Sicherheit und Routine. Gibt dir etwas Zeit, damit dein Gehirn sich darauf einstellen kann. Es braucht mindestens neun Wochen, bis sich die neue Arbeitsweise gefestigt hat.
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4. Zwei bewährte Tipps für den Wiedereinstieg ins Schreiben
Vielleicht wehrt sich dein Gehirn, plötzlich etwas zu ändern, gar einen größeren Aufwand zu betreiben. Meine Erfahrung und auch die vieler Kund:innen: Am besten ist es, erst ein bisschen Erfahrung damit zu sammeln. Dadurch merken viele, dass beide Herangehensweisen den Einstieg erleichtern und verhindern, dass sie unproduktiv vor Bildschirm oder Notizbuch sitzen.
Schreibstrategie 1: Erst lesen, dann anknüpfen
Definition: Darunter verstehe ich, sich vorab warm zu laufen. In unserem Fall gelingt dir das durch das Anknüpfen an und gegebenenfalls Korrigieren von vorhandenem Text.
-> Besonders geeignet für Menschen, die gerne auf Nummer Sicher gehen.
Der Vorteil: Gedanklich und praktisch beschäftigst du dich mit deinem Text. Aber du erwartest nicht von dir selbst, gleich etwas komplett Neues zu formulieren. Dadurch findest du den Anschluss zum vorherigen Abschnitt und kommst wieder ins Thema.
So gehst du vor:
– Lies dir zuerst das letzte Kapitel, die letzte Szene oder den letzten Absatz durch, je nachdem, wie lange du nicht an deinem Text arbeiten konntest. Mache dir gegebenenfalls Notizen, was du als änderungsbedürftig empfindest, oder überarbeite bereits gleich beim Lesen.
– Notiere anschließend in Stichworten, wie die Geschichte, der Gedanke, das Argument im nächsten Kapitel weitergeht.
– Setze dich dann an den neuen Text: Mit den Stichworten und den neuen Ideen knüpfst du direkt an den vorherigen Teil an.
– Schreibe so lange weiter, wie du dir vorgenommen hast.
– Am Ende hältst du deine Ideen für das nächste Kapitel, die nächste Szene etc. direkt im Dokument fest. Schreibe in Stichworten oder in ganzen Sätzen. Das hilft dir, bei der nächsten Schreibzeit leichter anzuknüpfen, und deine Ideen gehen in der Pause nicht verloren.
– Natürlich kannst du beim nächsten Mal auch wieder mit dem Überarbeiten des vorherigen Abschnitts anfangen.
Schreibstrategie 2: Ideen sammeln mit Clustering
Das bringt’s: Clustering geht einen Schritt weiter als Ideen in Listen oder Stichworten zu notieren, indem die Ideenfindung und die Bewertung der Ideen getrennt werden. Du findest heraus, welche in deinem Kopf herumschwirren, und siehst gleichzeitig deren Verknüpfungen. Dadurch eignet es sich sehr gut, neue Inhalte vorzubereiten.
Für wen geeignet: Für Menschen, die zum Grübeln neigen. Genau das wird verhindert, weil schnell etwas auf dem leeren Blatt steht. Und für diejenigen, die Ideen schon verwerfen, bevor sie sie geprüft haben. Indem du erst im zweiten Schritt an die Beurteilung gehst, schreibst du alles auf, auch das, was du sonst eventuell als nicht perfekt genug dich nicht mal zu denken trauen würdest.
So gehst du vor:
Du brauchst: ein leeres Blatt Papier, DIN A4 oder A3, einen Stift, gegebenenfalls bunte Stifte, sowie einen analogen Timer oder den deines Handys.
1. Kreative Phase:
– Stelle deinen Timer auf sechs Minuten.
– Schreibe dein Thema (= Suchwort) in die Mitte einer leeren Seite und kreise es ein.
– Starte den Timer und schreibe alles auf, was dir dazu spontan in den Sinn kommt.
– Schreibe jeweils nur ein Wort (maximal zwei). Ziehe um jedes Wort einen Kreis.
– Verbinde die Kreise mit dem zentralen Thema sowie untereinander mit Linien, genauso, wie sie für dich in dem Moment zusammenhängen.
– Sollten dir die Ideen ausgehen, dann ziehe Kreis- und Verbindungslinien nach oder setze unterschiedliche Farben ein, bis dir weitere Worte einfallen.
Wichtig: Bewerte in dieser Phase deine Ideen nicht, sondern halte jede nur auf dem Papier fest, egal wie sinnvoll oder logisch sie dir erscheint.
2. Schritt: Auswählen
– Betrachte dein Cluster: Was ist zutage getreten?
– Gibt es Bereiche, die zusammengehören? Zeichne um diese mit einem farbigen Stift jeweils einen großen Kringel.
– Gibt es Begriffe, die nicht zu deinem Suchbegriff gehören? Streiche sie oder markiere sie für eine Weiterverwendung in einem anderen Kapitel, einer anderen Szene.
– Erfahrene Schreibende von literarischen Texten können bereits anhand des Standard-Szenenaufbaus Ziel-Hindernis-Ergebnis sortieren, gewichten und auswählen.
– Schreibe nun anhand des Clusters den neuen Text.
Du möchtest noch mehr kreative Techniken kennen lernen, etwa Brainstorming, Freewriting oder Mindmapping? In diesem Artikel stelle ich sie vor. Gerne sende ich dir mein Workbook mit den ausführlichen Anleitungen. Schick mir dazu einfach eine Mail über das Kontaktformular!
3. Kombiniere Schreibstrategie 1 und 2
Ich kombiniere gerne Tipp 1 und Typ 2: Dazu beginnst du mit dem Lesen und Überarbeiten, wie in Tipp 1 beschrieben. Anschließend hältst du in einem Cluster die Ideen für die neue Szene fest. Du hast so alles auf dem Papier vor Augen und kannst sofort ins Schreiben einsteigen.
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5. Die Gretchenfrage der Textmenge
Oft werde ich gefragt, wie viel Text zu schreiben für eine bestimmte Zeitspanne realistisch ist. Denn auch zu denken, man sei zu langsam, kann den Schreiberfolg verhindern.
Meine Antwort: Jede und jeder Schreibende hat ihre/seine eigene Geschwindigkeit. Manche produzieren eine in ihren Augen perfekte Seite pro Tag, die sie nicht mehr überarbeiten. So hat zum Beispiel Hilary Mantel gearbeitet, die Autorin berühmter historischer Romane.
Andere schreiben zunächst einen ersten Entwurf, die Rohfassung, und versuchen, in der reservierten Zeit so weit wie möglich zu kommen. Das Überarbeiten findet bei ihnen im zweiten Schritt statt, sie zerlegen den Schreibprozess in einzelne Schritte. Erfahrungsgemäß bleibt es nicht bei der ersten Überarbeitungsrunde, für den Inhalt braucht es oft mehrere Schleifen, Sprache und Stil schließen sich an, bis als letzter Arbeitsschritt endlich das Korrekturlesen folgt.
Es gibt also keine allgemeingültigen Vorschriften. Alles ist prima, solange du dich damit wohlfühlst.
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Möglicherweise fällt es dir trotz allem allein schwer, wieder reinzukommen. Oder du merkst, dass du doch an der einen oder anderen Stelle Unterstützung brauchst. Dann bin ich gerne an deiner Seite. Entweder punktuell oder kontinuierlich mit Feedback auf deinen Text und / oder ein individuelles Schreibcoaching.
Wer dir hier schreibt: Ich bin Sabine Staub-Kollera, Lektorin und Coach für Schreibende, die an ihrem Text bevorzugt exemplarisch an ausgewählten Stellen und lieber mit einem Menschen als einer KI arbeiten. Alles, was ich in meine Arbeit einbringe, habe ich vorher selbst an meinen Texten ausprobiert.
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